Vor der Meisterschaft der Jungen wurden viele Namen gehandelt, denen der
Titelgewinn zugetraut wurde. Das versprach ein spannendes Turnier, was auch
eintrat. Am Ende waren 3 Jungs punktgleich und ein viertel Wertungspunkt
entschied über den Meistertitel. Trotz der Ausgeglichenheit am Ende nahm das
Turnier einen unerwarteten Verlauf. In den ersten Runden setzte sich Vincent
Schwenke (AE Magdeburg) klar an die Spitze. Nach 4 Runden hatte er sogar 1,5
Punkte Vorsprung. Er musste aber dann doch noch Niederlagen gegen Johannes Paul
(TSG GM Quedlinburg) und in der letzten Runde knapp gegen Christian Günther (SV
Sangerhausen) hinnehmen, so dass sein Vorsprung schmolz und er am Ende
unglücklich Dritter wurde. Vor der letzten Runde wurde viel gerechnet, da es
einige Varianten gab. Den Kampfgeist von Christian muss man loben. Er konnte ab
einem bestimmten Zeitpunkt nicht mehr Meister werden, kämpfte aber verbissen um
den 2. Platz. Buchstäblich in der letzten Sekunde stieß er Vincent noch vom
Thron und wurde selbst Zweiter. Johannes war am Ende der Glücklichere. Er hatte
in den vorausgegangenen Spielen aber durchaus sein gewachsenes Können
nachgewiesen. Die 3 Erstplatzierten setzten sich sicherlich verdient durch.
Die weiteren vier Spieler haben aber durchaus gut mitgehalten und den vorn
Platzierten manches Pünktchen abgenommen. Besonders Dominik Jäger (Rochade
Magdeburg) holte gegen die drei Ersten 1,5 Punkte. Die schlechten Ergebnisse
gegen den Rest brachten ihn aber um eine bessere Platzierung. Hannes Wendling
(SV Sangerhausen) konnte sich noch nicht wie gewohnt in Szene setzen. Im
nächsten Jahr wird er sicherlich gemeinsam mit Marcel Schulz (AE Magdeburg) die
Meisterschaft beherrschen. Möglicherweise hat er mit dem Remis gegen Christian
seinen Vereinskameraden um die Meisterschaft gebracht. Aber so was ist immer nur
Spekulation. Joris Schünemann (USV Halle) gelang es als Einzigem dem Meister,
wenn auch glücklich, einen vollen Punkt abzunehmen.
Für Christian Lips (SF Bad Schmiedeberg) war die Qualifikation sicherlich schon
ein großer Erfolg. Bei dem Turnier war er doch spürbar überfordert. Er ließ
sich aber nicht entmutigen und mit viel Kampfgeist sprangen noch 2 Remis heraus.
Die Remisquote von 29% ist akzeptabel und entschieden besser als in den
Vorjahren. Da es ein recht ausgeglichenes Feld war, spricht es durchaus für
Kampfgeist.
Die Mädchenmeisterschaft war fast eine Neuauflage vom Vorjahr. 6 der 8
Mädchen gingen schon 2003 an den Start. So wie im letzten Jahr tat sich
Christine Hofmann (SF Hettstedt) am Anfang des Turniers schwer. Diesmal verlor
sie sogar ihre Partie gegen Carolin Priese (Naumburger SV), die eine schönen
Königsangriff geführt hat. Es sollte die einzige Niederlage bleiben. Nach
dieser Niederlage gelang es ihr sofort die Vizemeisterin des Vorjahres Franziska
Flegel (SG Löberitz) zu besiegen, so dass sie auf Meisterschaftskurs blieb. Vor
der letzten Runde waren 3 Mädchen mit gleicher Punktzahl an der Spitze, wobei
Franziska auf Laura Herkt (TSG Wittenberg) traf, die punktgleich waren. Laura
hatte bis dahin ein recht gutes Turnier gespielt, verlor aber durch einen
Fehlzug am Ende schnell. Da auch Christine gewann, war die Reihenfolge auf Platz
1 und 2 wie im Jahr 2003. Laura machte das schlechte Ergebnis vom Vorjahr
vergessen und mischte diesmal kräftig mit.
Bei den restlichen Spielerinnen wechselten Licht und Schatten zu sehr, so dass
eine bessere Platzierung ausblieb. Am ehesten traut man Andra Feist (VfL Köthen)
zu, dass sie in Zukunft die Spitze gefährden kann. Susann Domaske (SV FS Halle)
spielte wohl unter ihren Möglichkeiten. Als DWZ-beste hatte man sie entschieden
weiter vorn erwartet. Eine Bereicherung des Turniers war die Teilnahme von
Phuong Hoai Nguyen (1. SC Anhalt). Sie spielte herzerfrischend, wenn auch nicht
fehlerlos, auf Angriff und konnte damit die anderen Mädchen verunsichern.
Beeindruckend war, wie sie mit einem Turm weniger gegen Maria Lachmantschuk (SV
Merseburg) kämpfte, eine Dauerschachstellung erreichte und dann ... die Dame
unnötig einstellte. Man kann auf ihren Auftritt im nächsten Jahr gespannt
sein. Carolin und Maria kämpften tapfer, konnten aber die anderen nicht
ernsthaft gefährden. Mit nur 4 Remisen (14 %) war die Kampfbereitschaft
erfreulich hoch.
Günter Thormann