Mit nur zehn Teilnehmern war die diesjährige LEM U20 nicht sehr groß, doch
das Feld war recht stark und zudem ausgeglichen besetzt. Im Vorfeld hatte die
Landesschachjugend zwecks weiterer Niveausteigerung ein neues Konzept
entwickelt: Die Ausweitung des Teilnehmerfeldes auf Unter 25. Die eingeladenen
Sehr-Jungsenioren sagten allerdings überwiegend ab - teils aber sehr nett und
oft verbunden mit einem Lob für die gute Idee. Nun bleibt zu hoffen, das sich
das positive Echo im nächsten Jahr auch in der Teilnehmerzahl niederschlägt.
Turnierfavorit nach DWZ war Martin Schalk, der auch stark startete. Aber dann
folgte eine Reihe ausgekämpfter Remis. In der letzten Runde kostete ihn ein
sehr grobes Übersehen in Gewinnstellung den entscheidenden halben Punkt und den
Titel. So konnte Jan Thiele, der auf dem berüchtigten "Tippzettel"
der Trainergilde nur als Außenseiter gehandelt wurde, die Schachwelt
Sachsen-Anhalts überraschen und den Landesmeistertitel erobern. Dabei
verzichtete er gänzlich auf friedliche Einigungen, deren Häufigkeit ansonsten
zu mancher Kritik Anlass gab. Nicht immer erfolgte die Punkteteilung schon nach
wenigen Zügen, wie allerdings geschehen in der Partie der Jüngsten im Feld:
Konrad Lieder und Susan Grossmann. Beide spielen DEM und sollten solche
Förderturniere besser zu nutzen wissen. Ansonsten spielte Konrad gewohnt solide
und Susan glänzte zu selten mit ihrem beachtlichen Schachinstinkt.
Interessantes Schach zwischen Genie und Wahnsinn bot Frank Biedermann,
gelegentlich auch Markus Grieger.
Erstmals gab es während der LEM einen unschönen Vorfall der besonderen Art:
Ein Jugendlicher wurde mit Alkohol im Körper angetroffen, der bereits zu einem
erheblichen Kontrollverlust geführt hatte. Sofort mussten die Eltern ihren Sohn
abholen, was dann auch in der Stunde nach Mitternacht geschah.
Dirk Michael