LJEM 2007 Güntersberge

Landessichtungsturnier

1.Runde
Das Sichtungsturnier startet mit 14 Teilnehmern im Alter von 8 bis 13 Jahren. Die Partien sind zum Teil wirklich ordentlich, werden jedoch allzu oft durch (sehr) grobe Einsteller entschieden. Wir schieben es mal auf die Anfangsnervosität und hoffen auf Besserung in den folgenden Runden. 
Einen sicheren Sieg landete Falko Schumann (USV Halle), der den gegnerischen Springer nach wenigen Zügen aller sicheren Felder beraubte, und später durch ein Abzugsschach gleich noch die Dame gewann. Ebenso souverän agierten Annika Briese (SV Energie Stendal), Max Melcher (Burger SK Schwarz-Weiß), Erik Wandsleb (TSG Calbe) und Titus Förster (SV Franckesche Stiftungen Halle), die jeweils voll punkten konnten. Die beiden übrigen Partien (kein Remis!) wurden durch plötzliche Blackouts zugunsten des Glücklicheren entschieden. Georg Lange (USC Magdeburg) hatte zwar eine klar vorteilhafte Stellung auf dem Brett, der Dameneinsteller seines Gegenüber erleichterte die Realisierung des Sieges aber erheblich. Die spannendste Partie des Tages war die Paarung Alexander Ziervogel (SV 1925 Helbra) gegen Tim Rothe (SV Franckesche Stiftungen Halle). Es entstand ein Doppelturmendspiel, in dem Tim zweimal eine klare Gewinnfortsetzung ausließ (einmal war sogar ein Matt möglich). Als die Partie gelaufen und das Remis unterschriftsreif schien, tappte er jedoch in die letzte Falle und verlor seinen Turm – Sieg für Alexander. 

2.Runde
Die zweite Runde brachte das erste Remis, Annika Briese und Alexander Ziervogel trennten sich friedlich, bevor die Partie eigentlich so richtig losging. Konrad Schramm (SSC Annaburg) hat einen schweren Stand. Quasi in letzter Sekunde ins Sichtungsturnier gerutscht gilt es für ihn, wichtige Erfahrungen zu sammeln. Lukas Eckart (SV Merseburg) und Robert Piel (USC Magdeburg) konnten mit Siegen den Anschluss an das Mittelfeld herstellen. Ein glücklichen Sieg errang Moritz Cejda (USC Magdeburg) gegen Titus Förster ( SV Franckesche Stiftungen). Zwischenzeitlich war Letzterem ein mehrzügiges Matt möglich, er wählte jedoch den falschen Springerabzug. In immer noch klar besserer Stellung übersah Titus, dass seine Dame bedroht war, verlor sie und die Partie. Die interessante Partie zwischen Erik Wandsleb (TSG Calbe) und dem Setzlistenersten Georg Lange (USC Magdeburg) entwickelte sich zu einem spannenden, lange offenen Kampf. Georg gewann einen Bauern und nutzte schließlich die fehlende Koordination in Eriks Lager gekonnt aus. Die längste Partie der Runde (hier war kurzzeitig sogar mal der Sprachgebrauch „Zeitnot“ möglich), gewann Max Melcher (Burger SK Schwarz-Weiß) in souveräner Manier. Er tauschte seine Dame gegen zwei Türme, bekam dafür einen starken Freibauern, der schlussendlich den Ausschlag gab.

3.Runde
Die Favoriten kristallisieren sich so langsam heraus. Die beiden Führenden schlossen (zu) schnell Frieden, Max und Georg wollten wohl den Status Quo halten. In einer von Taktik geprägten Partie behielt Erik Wandsleb die Nerven und bringt sich damit ebenfalls für das Treppchen ins Gespräch. Lukas Eckart, Moritz Cejda und Nico Fahsel gewinnen sicher ihre Partien, Ersterer darf morgen am Spitzenbrett gegen Georg sein Können unter Beweis stellen. 
Zwei Kurzpartien sahen Falko Schumann und Robert Piel als Sieger. Während Robert seinen Gegner vor die unangenehme Wahl Damenverlust oder Matt stellte, konnte Falko eindrucksvoll wie aus dem Lehrbuch mittels Lxh7+, Sg5+ und Dh5 den schwarzen König erlegen – wirklich sehr sehenswert.

4.Runde
Lukas konnte gegen Georg zunächst das Gleichgewicht halten, verlor nur einen Bauern. Doch als Turm und Dame aufgegabelt wurden, dauerte die Partie nicht mehr lange, damit hat Georg eindeutig Ansprüche angemeldet, er steht bei 3,5/4. Annika und Alexander haben sich mit Siegen in der erweiterten Spitzengruppe etabliert, sie können auf jeden Fall ums Treppchen mitkämpfen. Titus behielt gegen Tim die Oberhand, Konrad ließ seine Chancen gegen Martin leider verstreichen, aber Kopf hoch - das wird schon. Max und Erik, Kandidaten für ganz vorne, ließen nichts anbrennen und sind mit 3,5/4 bzw. 3/4 die beiden, die mit Georg Schritt halten können. Nach der 5.Runde, in der Erik auf Max trifft, wird sich zeigen, wer beste Chancen auf den Gesamtsieg hat.

5.Runde
In den Spitzenpaarungen festigten die beiden Führenden Max und Georg ihre Position. Dabei konnte Max den Läufer von Erik fangen, danach ließ er nichts mehr anbrennen. Eine völlig offene Partie zwischen Annika und Georg endete in einem Bauernendspiel, wo Annika zumindest nicht verlieren sollte – doch ein böser Schnitzer brachte Georg dann doch noch den vollen Punkt. Tim und Titus konnte jeweils mit schönen Schlussangriffen ihre Gegner besiegen, auch Alexander und Falko sind nach vollen Punktgewinnen mit 3,5 bzw. 3 Punkten gut dabei. Die wohl interessanteste Partie der Runde war Nico Fahsel gegen Martin Brüggemann. Letzterer schien schon der sichere Sieger zu sein – er konnte mehrmals mattsetzen und hatte eine Dame mehr – bis plötzlich zwei weiße Türme auf der siebten Reihe auftauchten und dort Dauerschach gaben. Martin lehnte das Remisgebot ab und das Partieformular neigte sich so langsam dem Ende. Allerdings kam Nico auch nicht auf die Idee, das Remis durch Reklamation der Zugwiederholung perfekt zu machen. Nach 5 weiteren Schachs und meiner Frage, ob ein neues Partieformular nötig sei, teilten sie doch den Punkt. 

6.Runde
Max und Georg ziehen weiter einsam ihre Kreise, jedoch auf unterschiedliche Art und Weise. Während Max von einer Unachtsamkeit Alexanders profitierte, musste Georg gegen Falko das Glück bemühen. Die Stellungsbewertung schwankte hin und her. Georg verlor eine Figur, setzte aber mit seinen Türmen dem weißen König zu. Falko zog bei einem Schach auf das falsche Feld und sein Turm ging verloren. Damit haben Georg und Max jeweils 5,5/6, so dass – sollten beide morgen dasselbe Ergebnis erzielen – die Wertung entscheiden muss. Dritter ist momentan Erik mit 4 Punkten, der gegen Titus zunächst zwei Figuren gegen den Turm und zwei Bauern gewann. Nach einem groben Fehler stand das Ergebnis der Partie dann fest. Moritz, Tim und Robert konnten ihre Partien gewinnen und stehen allesamt bei 3 Punkten. Annika stand Caissa nun wirklich zur Seite. Zunächst verlor sie eine Figur, um wenig später einfach die glatte Dame zu kassieren, die einem Angriff nicht ausgewichen war.

7.Runde
Der Sieger des Sichtungsturniers heißt Georg Lange. Heute stand ihm das Glück erneut zur Seite – nach einem Figureneinsteller Georgs wäre Alexander durch einen präzisen Zug mit Mehrfigur aus einer Abwicklung hervorgegangen. Er entschied sich jedoch anders und in ausgeglichener Stellung konnte Georg nach einem Übersehen Alexanders die Dame gewinnen. Das oft zitierte Glück des Tüchtigen soll Georgs Leistung natürlich nicht schmälern, er spielte über weite Strecken sehr ordentliches Schach. Nun war die Aufmerksamkeit auf die Partie zwischen Max und Annika gerichtet, in der Max durch einen Sieg mit Georg gleichziehen konnte. Er erhielt zunächst Vorteil, ehe er bei einer Abwicklung übersah, dass der Ta8 hängt. Statt Mehrfigur für Max, konnte Annika nun auf die bessere Stellung verweisen. Diese akzeptierte aber die offerierte Punkteteilung, so dass Max mit 6 Punkten und Platz 2 das Turnier beendet, hinter Georg, der nur gegen ihn remisierte. Dritter wird Erik Wansleb mit 5/7, er gewann gegen Tim Rothe. Tim und Titus kamen genau 58 min zu spät – aufgrund des Quartiers außerhalb und des unaufhörlichen Schneefalls war es fraglich, ob sie überhaupt hier ankommen. Tim reichte die halbe Stunde Bedenkzeit völlig aus, er spielte gegen Erik eine lange offene Partie, ehe er das Bauernendspiel zu forsch anging und verlor. Titus bereitete die fehlende Stunde mehr Sorgen, aber „echte“ Zeitnot war es freilich nicht. Leider übersah er ein schönes zweizügiges Matt mit Damenopfer. In etwa gleicher Stellung stellte er seine Figuren dann so unglücklich auf, dass Nico Material und wenig später auch die Partie gewinnen konnte. Konrad Schramm schied vorzeitig aus dem Turnier aus, weswegen Lukas einen Freipunkt bekam. Während Falko gegen Martin sicher gewann, war in der Partie Robert gegen Moritz Letzterer der Glücklichere. Zunächst wurde er seiner Dame beraubt, doch wenig später gewann er sie mit einer Springergabel zurück und als dann Robert noch eines Turmes verlustig ging, war die Partie beendet. 

Martin Schuster